Die Kirche zu Bischoffingen

wird das erste Mal in einer Urkunde aus dem Jahre 1139 erwähnt. Nach einem späteren Siegel trägt sie den Namen „St. Laurentius“. Diesen Namen trägt sie als evangelische Kirche seit einiger Zeit wieder - in bewusster Verbindung mit der vorreformatorischen Zeit.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 galt der Grundsatz, dass die Bevölkerung die Konfession des jeweiligen Landesfürsten zu übernehmen hatte. In Folge dieser Entscheidung wurde die Bischoffinger Kirche ab 1556 eine evangelische Kirche. Manch andere Orte im Kaiserstuhl gehörten zu Vorderösterreich und blieben römisch-katholisch.

Wohl aus dem 15. Jhdt. stammen die ältesten Teile der Kirche. Dazu gehören auch die 1909 wieder freigelegten spätgotischen Fresken im Chorraum, die wahrscheinlich in der Zeit der Aufklärung übertüncht wurden. Sie stellen die Jugend und Passion Jesu Christi dar, die vier großen Propheten und die vier großen abendländischen Kirchenlehrer. Die Art und Weise jedoch wie manches wohl von sehr verschiedenen fahrenden Künstlern dargestellt wird, lässt eine gewisse Einmaligkeit vermuten, und hat ihresgleichen wohl kaum wonanders.


Ein besonderes Motiv ist der sog. „Lebensbaum“; eigentlich ein Narrenbaum. Denn er zeigt den völlig ich-bezogenen und sich selbst begründenden Menschen auf der Jagd nach dem Glück, ausgesetzt der Ermahnung zum Guten durch einen Engel und der Versuchung zum Bösen durch einen Dämon oder Teugfel. Jenseits seines Blickwinkels nagen unter ihm eine weiße und eine schwarze Maus als Zahn der Zeit, um seinen Lebensbaum allmählich zu Fall zu bringen. In den Gestalten von Einhorn (Angst) und Ritter (Tod) sind noch zusätzlich bedrohliche Kräfte dargestellt, die ebenfalls den Lebensbaum zu Fall bringen möchten. Das ist die Realität der Welt - jedoch von dem Menschen als Narren gerne übersehen. Auch nicht in seinem Blickfeld ist ganz oben der gekreuzigte und auferstandene Christus als der Herr über Engel und Teufel und über die Mächte der Welt, umgeben von Sternen.



Wer von Westen her durch den Haupteingang die Kirche betritt, der betritt den Weg des Glaubens: er geht auf den Gekreuzigten und in der Zeit zwischen Ostern und Advent auf die Osterkerze zu, die dann jeden Sonntag brennt. Eigentlich müsste – wie es wohl früher der Fall war – der Taufstein am Anfang dieses Weges stehen. Heute befindet er sich vorne der Kanzel und dem Tisch des Herrn zugeordnet zugeordnet. Denn zum Getauftsein gehört das Hören auf das Wort Christi und die Teilnahme an seinem Mahl. Denn wie soll ich sonst mit Christus vertraut werden und zum Vertrauen zu ihm finden?! 

Wie die Osterkerze ein ökumenisches Zeichen der Verbundenheit mit der römisch-katholischen Kirche ist, so auch die Ikone mit der orthodoxen Kirche des Ostens.

Als Haus Gottes steht die Kirche tagsüber allen Menschen offen, die sie als einen Ort der Einkehr und des Gebets aufsuchen.




Freue dich

an der Schönheit dieses Gotteshauses.

Verweile darin in Ehrfurcht –

und gehe nicht weg,

ohne den anzubeten,

der Dich erschaffen

und erlöst hat.