„In dem rasenden Getümmel

schenk uns Glaubensheiterkeit...“ (EG 137,8)

Sie hätten sich ja gleich Ziele setzen und diese tatkräftig umsetzen können. Ja keine Zeit vergeuden, sondern sofort ans Werk gehen. Stattdessen erlauben sie sich den Luxus in Klausur zu gehen. Sie ziehen sich zurück - und warten. Es steht nämlich noch was aus, was sie nicht selber machen können und doch dringend brauchen. Denn ohne diese verheißene „Kraft aus der Höhe“ können sie ihren Auftrag gar nicht erfüllen, sondern erzählen den Leuten vielleicht mit kraftlosen Worten recht nette Geschichten.

Und so warten sie – in Klausur. Der Heilige Geist scheint kein eiliger Geist. Es pressiert ihm nicht. Er steht nicht unter Druck – und setzt niemanden unter Druck. Er hat Zeit - bis es die rechte Zeit ist. Uns nervt das – auch in der Kirche. Denn wir stehen unter Druck – unter Zeitdruck; unter Erfolgsdruck. Und wir setzen unter Duck – auch einander.

Doch erst als sie erfüllt sind mit der „Kraft aus der Höhe“, treten sie in die Öffentlichkeit und erzählen freimütig und heiter die Geschichte dieses Einen - und lösen damit Betroffenheit unter den Menschen aus. Ihre Botschaft kommt an. -

Und das alles beginnt damit, dass sie sich zurückziehen - und nicht mal wissen, wie lange sie warten und wie geduldig sie sein müssen. Schon seltsam, dass es denen nicht langweilig wurde oder sie sich nicht auf den Keks gingen…?

Wenn Pfingsten nicht einmalig und also nicht nur damalig ist, dann auch nicht dieses dazugehörige Warten in Klausur auf die „Kraft aus der Höhe“. Sonst werden kirchliche Auftritte in der Öffentlichkeit selber ein Teil im rasenden Getümmel. Denn die latente Gefahr ist auch in der Kirche, dass immer etwas laufen muss – und zugleich vom Leerlauf bedroht ist. Darum immer noch und immer wieder die Bitte: „Komm, heiliger Geist. Erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe.“

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Aber natürlich…

gibt es rund um die Uhr immer welche Angebote. Auch am Sonntagmorgen. Das erste Angebot macht mir mein Bett und meine Trägheit. Gewiss läuten dann um 9 oder 10 die Glocken – und das hört sich ja wunderbar an! Aber die läuten bestimmt für andere. Und außerdem ist der Sonntag schon von vielen Vereinsaktivitäten terminlich gut besetzt. Und manchmal kann man sonntags auch noch schobben gehen und Geld ausgeben. Und Familie oder Freunde sind ja auch noch da. Und dann auch noch Gottesdienst?! Ja was denn noch alles! Gerade am Sonntag…

Ohne Gottesdienst unterscheidet sich der Sonntag kaum von den übrigen Werktagen. Man hat vielleicht etwas mehr Freizeitgefühle. Aber der alltägliche Schlauch setzt sich nur in anderer Weise fort – ohne eine wirklich heilsame Unterbrechung.

Im Gottesdienst kommt anderes zum Vorschein und in mein Leben. Auch Ungewohntes, Fremdes. Da lasse ich mich auf etwas ein, das nicht auf meinem Mist gewachsen ist. Da wende ich meinen Blick weg von mir, richte mein Herz auf einen Anderen aus. Gottesdienst ist deshalb keine kirchliche Veranstaltung zur Pflege meiner religiösen Bedürfnisse, sondern ist zuerst Anbetung Gottes. Dazu dient alles, was gesungen wird – also auch die Liturgie. Beim Singen ist Herz und Mund mit dabei. Darum wird ein Gottesdienst gefeiert – und nicht gehalten, oder abgehalten oder gar gemacht. Und Ohr und Verstand ist auch noch dabei, denn das biblische Wort will erhört werden und Fuß fassen in meinem Leben. Und schließlich verläst man als ein gesegneter Mensch das Haus Gottes – und wird gesandt zum Gottesdienst im Alltag meiner Welt und beauftragt, andern Menschen zum Segen zu werden.

Aber klar…

kann man einfach weiterwursteln und jammern und meckern und irgendwann mal den Löffel abgeben und das war's dann. Kann man… Aber darf’s auch etwas mehr sein oder sogar etwas ganz anderes?

 

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"Mein Kind soll sich einmal selber entscheiden…

...ob es sich taufen lassen will.“ Klingt gut; klingt auch im Sinne der Erwachsenentaufe, wie sie die Freikirchen und wohl auch die christlichen Gemeinden ganz zu Beginn praktizierten. Auf die persönliche Entscheidung kommt es an. Bewusst und willentlich Ja sagen zu Glaube, Gott, Kirche und dann damit auch ganz bewusst leben. Die Taufe folgt dem Glauben. Meist gründet sie in der Bekehrung eines Menschen und beruht auf seiner freien Entscheidung.

Zu Beginn der Christenheit wurden die (erwachsenen) Taufbewerber im christlichen Glauben unterrichtet - und dann in der Osternacht, dem einzigem „Tauftermin“, nach ihrem persönlichen Einstimmen in das Glaubensbekenntnis getauft. In dieser Nacht wurden auch die von Glauben und Kirche Abgefallenen und wieder „Eintrittswilligen“ aufgenommen. Durch diesen einzigen Tauftermin wurde deutlich, dass die Taufe und damit die Berufung zu einem christlichen Leben elementar etwas mit dem Sterben und Auferstehen Jesu zu tun hat. Dieser geistliche Kern der Taufe liegt jedoch quer zu unserer lebenslustigen Zeit.

Die Kinder- bzw.. Säuglingstaufe zeugt in ihren äußeren Bedingungen von etwas anderem: Gottes Entscheidung für mich kommt meiner Entscheidung für ihn zuvor. Er sprich zuerst sein Ja-Wort. Auch hier ist die Taufe die Berufung zu einem Leben als Christ - in das ich dann mit Hilfe meiner Eltern und Paten hineinwachsen soll. Hier kommt es entscheidend auf Eltern und Paten an - gewiss auch im Verbund mit Kindergottesdienst, Religions- und Konfirmandenunterricht. Dieser notwendige „Hintergrund“ der Kinder- oder Säuglingstaufe ist jedoch aus verschiedenen Gründen kaum gewährleistet. Vielleicht sagen genau deshalb manche Eltern: „Mein Kind soll sich einmal selber entscheiden, ob es getauft werden möchte.“ Unter diesem Aspekt ist dies eine ehrliche und achtenswerte Entscheidung.

Aber noch anderes spielt dabei mit im Hintergrund eine wesentliche Rolle. Nicht nur über ihre Taufe sollen Kinder selber entscheiden - auch über vieles andere. Überhaupt entspricht dies unserem (erwachsenen) Lebensverständnis, das vor allem in der Wahlfreiheit gründet: Wir finden uns nicht mehr in etwas Vorgegebenem, in festen Verhältnissen, in überliefert Lebensmustern vor, sondern erfinden und schaffen alles immer wieder neu - als „Projekt“. Von Lebensentwürfen über Landschaften bis zu Computerprogrammen. Alles gründet auf unserer Entscheidung, was wir wollen. Und dies entspricht seit ca. 200 Jahren dem Bild vom Menschen als einer „autonomen“ Person, die ihr „eigenes Gesetz“ ist und also selber in Freiheit festsetzt, was für sie gültig ist und was nicht, was sie will und was nicht. Das ist die Idee des Liberalismus. Sie stellt vor allem den einzelnen Menschen und seine Interessen und Wünsche in den Mittelpunkt. Davon geht alles aus und darauf geht alles zu. Und das klingt zunächst mal gar nicht so schlecht.

Klar haben sich die Kirchen lange Zeit dagegen gesträubt, denn sie kennen gewisse „Vorgaben“, Überlieferungen, „Traditionen“ - angefangen bei der Bibel bis hin zu kirchlichen Sitten und Gebräuchen. Und dazu gehörte auch die Kinder- oder Säuglingstaufe. Aber diese war eben gebunden die Praxis solcher Vorgaben - welche in unserer Zeit immer weniger dem einzelnen geläufig und vertraut sind.

Vielleicht wird aus diesem Grunde auch der Stellenwert der Taufe sich verändern: War sie vormals gleich der Geburt der Ausgangspunkt zum Reinwachsen ins menschliche und christliche Leben vor allem mit Hilfe der Eltern und Paten, so wird sie möglicherweise wieder zum Zielpunkt eines ihr vorausgehenden Taufunterrichts - wie in der Anfangszeit der christlichen Kirche.

Was in den großen Städten schon so der Fall ist, das wird auch irgendwann einmal auf dem Dorf ankommen. Auch wenn man sich mit solchen Veränderungen nicht leicht tut - wie bei vielem kommt es darauf an, was man daraus macht.

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Vor Betrügern wird gewarnt!

 Vor denen, die einen am Telefon weiß machen wollen, man wäre der große Glückspilz und hätte da höchst persönlich ganz exklusiv etwas Einmaliges gewonnen, was sonst niemand gewonnen hat. Ich müsste nur… Dann sag kein Wort, sondern lege ruhig den Hörer auf. Anders könnte es sein, dass man nichts gewinnt, sondern vieles verliert.

 

Vor denen, die an der Haustüre erscheinen zum Geschäft mit dem Mitleid und eine geschliffene Trauergeschichte erzählen und einen damit in die Enge treiben und unter Druck setzen und unverschämt werden und aufdringlich. Die weise höflich aber entschieden zurück und schließe ohne ein schlechtes Gewissen die Türe.

 

Und auch vor denen, die sich als religiöse Marktforscher ausgeben. Und wenn sie kommen und Dich fragen,

wofür du dich noch kirchlich interessierst,

was du von der Kirche eigentlich noch erwartest,

welche Angebote dir überhaupt noch fehlen,

was sie dir immer noch bieten soll,

welcher Spaß dir noch fehlt,

wie du die Kirche noch attraktiver fändest,

dann wirf sie dennoch raus.

Sag ihnen, dass eine Kirche, die um ihren Bestand besorgt und deshalb ihr Fähnlein nach jedem Wind hängt, dich ankotzt.

Sag ihnen, wenn sie selber nicht wissen, um was es der Kirche geht, dann sollen sie doch besser den Laden dicht machen.

Sag ihnen, dass andere bessere Amüsierbetriebe aufziehen können.

Sag ihnen, dass du wissen willst, wofür es sich zu leben lohnt und was der einzige Trost im Leben und im Sterben ist.

Frag sie, ob sie das wissen und ob das bei ihnen auch zur Sprache kommt.

Frag sie, wer sie gesandt hat und in wessen Auftrag sie reden und handeln.

Wenn sie das nicht wissen, dann lass sie getrost einfach stehen.

Aber hör nicht auf zu fragen, wofür es sich wirklich zu leben lohnt.

Frage deine Lehrer - und sag ihnen, es reiche nicht, Wissen zu vermitteln. Und frage deine glorreichen Vorbilder und deine Freunde und deine Eltern. Höre nicht auf zu fragen. Und dann prüfe - auf Herz und Nieren mit einem klaren Verstand!

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Ich bin katholisch

Und das als evangelischer Pfarrerschon seit meiner Taufe. Denn seither gehöre ich zu der „una sancta catholica et apostolica ecclesia“; also zu der „einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche“ wie es im übersetzten Originalton des Glaubensbekenntnisses heißt.

Katholisch" ist ein griechisches Wort und bedeutet: „das Ganze bzw. alle betreffend; allgemein“. Also die allen gemeinsame Kirche – im Gegensatz zu einzelnen Kirchengemeinden, aber auch einzelnen Konfessionen. Im Konfirmandenunterricht habe ich noch gelernt: „…heilige, allgemeine, christliche Kirche“

Das Wort „katholisch“ kommt im Neuen Testament nicht vor, aber der Jakobusbrief, die beiden Petrusbriefe und die drei Johannesbriefe samt dem Judasbrief werden in der Theologie als „katholische Briefe“ bezeichnet, weil sie nicht an einen einzelne bestimmte Gemeinde, sondern „allgemein“ an Gemeinden gerichtet sind.

Davon zu unterscheiden ist die römisch-katholisch Kirche. Es ist jene katholische Kirche, die in Rom ihr Zentrum und hierarchisches Oberhaupt hat. Diese Kirche ist aus der protestantischen Sicht eine christliche Konfession unter vielen; oder biblisch gesprochen: Ein Glied am Leibe Christi – und eben nicht der ganze Leib. In entsprechender Weise sehe ich als evangelischer Christ auch meine eigene Kirche. Weil auch sie nur ein Glied am Leibe Christi ist und zu der „allgemeinen“ bzw. „katholischen“ Kirche gehört, darum dürfte sie ruhig die „evangelisch-katholische Kirche“ genannt werden. Sie ist die Kirche, die ihr Zentrum im Evangelium hat. 

Wie also ich als evangelischer Christ auch katholisch – wenn auch nicht röm.-kath. – bin, so ist gewiss auch jeder römisch-katholische Christ evangelisch, so das Evangelium von Jesus Christus auch das Fundament seines Glaubens ist.

Die orthodoxe Kirche in ihren vielen konfessionellen Ausprägungen (griechisch-orthodox, russisch-orthodox usw.) ist ursprünglich die oströmische Kirche vor der Kirchenspaltung im Jahre 1054.

Natürlich ist das eine Sichtweise, die sich für mich als evangelischer Christ ergibt. – und die von Rom aus so nicht nachvollzogen wird bzw. werden kann. Denn das Kirchenverständnis ist es eben, das die Ökumene so schwierig macht

Übrigens: Auch ich „glaube nicht an die Kirche“, was ich oftmals aus kirchenkritischem Mund höre; ich glaube aber an den heiligen Geist – und deshalb glaube ich, dass es diese „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ gibt – verborgen unter ganz viel Menschlichem und Zeitlichem und Widersprüchlichem in den verschiedenen Kirchen. Und weil ich an das Wirken des Heiligen Geistes glaube – und zwar eben nicht nur in meiner Kirche -, deshalb und nur deshalb wird das ökumenische Bemühen weitergehen. Trotz und mit Rom und Wittenberg.