aus dem

Brief an die Gemeinden

St. Jakobus Bickensohl

und

St. Laurentius Bischoffingen

zum Erntedankfest und zum Ende des Kirchenjahres

2018

 


Spricht Thomas zu Jesus: Herr, wir wissen nicht,
wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?
spricht Jesus zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit
und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
(Joh 14,5f)

Das ist mal wieder typisch Thomas, der sich zum Sprecher der anderen macht: Er weiß einfach nichts. Er gehört nicht zu den Wissenden. Im Gegensatz zu uns: Wir sind bestens informiert, wissen nahezu über alles Bescheid. Wissen den Weg und gehen ihn - doch nicht. Wir lieben nämlich Standpunkte. Und vertreten sie - sehr bewegt. Das erweckt den Eindruck von Festigkeit und Lebendigkeit. Und dass sich etwas tut - auch wenn wir dabei auf der Stelle treten - und nicht vorankommen.

Und das ist mal wieder typisch Jesus: Er behauptet, ER sei der Weg - und auch noch manch anderes. Und das klingt so, als gäbe es sonst keinen anderen Weg - zumindest nicht zum Vater, zu Gott. Was uns natürlich in dieser Ausschließlichkeit gar nicht behagt, zumal wir ja auch in der Kirche die Vielfalt des unverbindlichen Angebots schätzen - wie im Supermarkt.

Aber bevor wir über diesen Anspruch Jesu ins Diskutieren kommen und dabei jeder seinen Standpunkt vertritt: Jesus hat Menschen berufen, sich auf ihn einzulassen, sich ihm anzuvertrauen und ihm zu folgen - und mit ihm Lebens- und  Glaubenserfahrungen zu machen. Ihr Lebensweg verlief in der Gemeinschaft mit ihm. Seine Jünger nannten ihn „Herr“ - und bildeten mit ihm weder ein Team, noch verstanden sie sich mit ihm auf gleicher Augenhöhe. Was zählte, war sein Wort: Und das einte die Menschen - oder trennte sie. Selbst unter seinen Jüngern wandten sich einmal viele von ihm ab (Joh 6,66). Auch erlebten seine Jünger immer wieder manch harte Auseinandersetzung - vor allem mit den führenden Persönlichkeiten der religiösen Welt - weshalb er sie nicht im Zweifel darüber ließ, was auch ihnen immer mehr klar wurde: Dass dieser Weg nicht unbedingt mit bewundernswertem Erfolg gekrönt ist.
Erfolg aber ist wichtig in der Welt; auch in der Kirche - und zeigt sich vor allem in dem, über was man nachweisbar verfügt. Dabei werden auch in der Kirche zunehmend Zahlen wichtiger als das Wort - Jesu. Geld und Dinge wichtiger als Menschen.

Als ich auf Anraten eines Freundes mir im Kino in Breisach „Papst Franziskus - ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders ansah, da war ich freudig überrascht, dass hier ein Mann zur Sprache kommt, der im Sinne des Hlg. Franziskus und angesichts unserer sozial zerrissenen Welt die Kirche(n) wieder auf den Weg Jesu und in seine Gemeinschaft zurückruft - und diese Berufung auch selber in stiller Bescheidenheit lebt. Seine höchst einfachen und klaren Worte sind erfüllt von einer tiefen geistlichen Kraft - so dass man als evang. Christ geradezu traurig wird, dass solch eine wegweisende Persönlichkeit in der eigenen Kirche weit und breit nirgends zu hören ist - außer Roger Schutz, der ehemalige (evang.) Gründer und Prior der Gemeinschaft von Taizé/Burgund, welche für die Versöhnung unter den Menschen lebt - und hierzu insbesondere junge Menschen einlädt, zurüstet und sendet.

Dass Jesus wirklich „Weg, Wahrheit, Leben“ sein könnte bzw. ist, lässt sich weder argumentativ feststellen, noch dogmatisch festlegen. Es zeigt sich durch das gelebte Zeugnis derer, die sich auf seinen Weg einlassen - und dabei erfahren, dass sich das Vertrauen zu IHM bewahrheitet, weil bewährt, und die Fülle des Lebens nicht in der grenzenlosen Anhäufung irdischer Güterbesteh t, sondern in einem von Christus erfüllten und deshalb andern Menschen zugewandten Herzen.

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Wie ein einzig langer Arbeitstag, über dessen Tagesende ich nun doch froh bin - so kommen mir die 32 Jahre meiner Zeit als Pfarrer vor. Doch alle Aufgaben zu erfüllen wäre nicht möglich gewesen ohne das Mitwirken verschiedenster Mitarbeiter.
Und so gilt mein Dank:

Den beiden Pfarramtssekretärinnen Jutta Probst und Sabine Baumer - und der
ehemaligen Pfarramtssekretärin Thea Baer. Den Organisten Hermann Heß, Annekathrin Keil, Manuel Klingenmeier. Christel Buchmüller für das Schmücken der Bischoffinger Kirche. Hanna Grün in Bickensohl und vormals Jens Pirnau in Bischoffingen für die Zeit als Kirchendiener. Allen Mitarbeitern auf dem Kirchplatz. Den im Gottesdienst mitwirkenden Vereinen. Dank vor allem den Putzfeen Elise Schmidt und Renate Helde.
Den ehemaligen und gegenwärtigen Mitgliedern der beiden Kirchengemeinderäte. Den Mitarbeiterinnen im Kindergottesdienst und den Kindergärtnerinnen in den beiden Kindergärten.
Aber auch meinem röm.-kath. Amtsbruder Claus Trost, sowie seinen Vorgängern Josef Fischer und Albert Lehmann für die brüderliche Ökumene. Ebenso den entscheidenden Amtsträgern in der Orts- und Stadtverwaltung Vogtsburg.
Dank auch für viele freundliche Worte, Gesten, Zeichen aus den Gemeinden. Auch für manche Korrektur - und also auch Dank an jene, die mir zu denken gaben; und bitte zugleich um Verzeihung , wo ich selber verletzt und gefehlt habe. - Vor allen aber danke ich dem Herrn der Kirche, der barmherzig auch Mängel und Fehler in seinen Dienst nimmt, um daraus Gutes zu wirken .
Manchmal werde ich gefragt, was ich in meinem „Ruhestand“ alles vorhabe. Etwas ausgezehrt wünsche ich nur dies: Zu der Ruhe zu kommen, die ich in meiner langen Dienstzeit kaum hatte. Und freundlichen Menschen werde ich weiterhin freundlich zugewandt bleiben.

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Gedanken zur gegenwärtigen Situation von Christen und Kirche: Als das Kennzeichen unserer Zeit zeigt sich auch in der
Kirche und unter Christen die Zersplitterung und Zerstreuung; zeichenhaft zu erkennen im Gottesdienst am Sonntagmorgen. Wir scheinen tatsächlich so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir kaum noch Sinn und Zeit haben für das Ausrichten und Öffnen unseres Herzens zu Gott hin. Stattdessen stets auf die Maximierung und Optimierung des Vorhandenen und Verfügbaren bedacht. - An diesem Geist der Zeit haben wir alle teil - solange nicht ein ganz anderer Geist uns (wieder) erreicht und durchdringt, Herz und Sinne(n) erneuert und zu einem anderen Leben und Zusammenleben führt. Davon aber sind wir gegenwärtig noch weit entfernt, weil immer noch zuerst daran orientiert, was „uns persönlich etwas bringt“ - oder nicht, und sind deshalb noch nicht bereit, uns selbstlos einzubringen und uns in das gemeinsame Leben zu investieren. Der persönliche Nutzen und nicht die Liebe steht im Vordergrund - auch in der Kirche.

Vielleicht kann solch eine Veränderung nur von christlichen Gemeinschaften und Kommunitäten ausgehen und dann auf die übrige(n) Kirche(n) übergehen - und Christen sich ihres Auftrags wieder bewusst werden: Durch die Hlg. Taufe herausgerufen aus dieser Welt und zugleich hineingesandt in diese Welt - um in dieser Welt von einer anderen Welt zu zeugen; im menschlichen Umgang genauso wie im Umgang mit den Gütern dieser Welt: Nicht mehr Geiz und Gier und Neid, nicht mehr bis zur völligen Erschöpfung alles herausholen und sinnlos horten, sondern das Lebensnotwendige miteinander teilen - die menschliche Zuwendung genauso wie die Gaben dieser Erde. Denn Leben ist mehr als Produzieren und Konsumieren. Sein „Mehrwert“ besteht im fröhlichen Vertrauen zu Gott und in der Liebe zu allen seinen Geschöpfen.

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Was sich ändert - und bleibt:

In Bischoffingen beendet Frau Jutta Probst zum
30. September Ihre Dienstzeit im Pfarrbüro. Wir danken Ihr recht herzlich für die geleistete Arbeit und wünschen Ihr und Ihrer Familie alles Gute. Ab dem 1. Okt. übernimmt Frau Sabine Baumer die beiden Pfarrbüros in Bischoffingen und Bickensohl.
Verabschiedung von Fr. Probst als Pfarramtsseketärin von
Bischoffingen und die Einführung von Fr. Baumer als gemeinsame Pfarramtssekretärin war schon im Gottesdienst am 16. September in Bischoffingen.

Ab Oktober finden die Gottesdienste im wöchentlichen Wechsel jeweils um 10 Uhr statt. Zu bestimmten Anlässen oder Feiertagen jedoch in beiden Gemeinden. Die Gottesdienste werden dankenswerterweise von Vertretungspfarrern sowie
Prädikanten und -innen übernommen.

Die Kasualvertretung während der Vakanzzeit übernehmen Frau Pfarrerin Drape-Müller aus Breisach und Herr Pfarrer Boos aus Ihringen. Herr Pfarrer Boos wird auch während der Vakanzzeit die Pfarramtsverwaltung übernehmen.
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...und am So., 25. November, Ewigkeitssonntag/Totengedenktag
Orgelkonzert mit unserer Organistin Annekathrin Keil samt Lesungen in der Kirche St. Laurentius zu Bischoffingen um 17 Uhr.


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Im September wäre für mich der letzte Gottesdienst in Bischoffingen und Bickensohl gewesen. Doch zunehmend fiel es mir schwer zu predigen - also das biblische Wort für unsere Zeit und Situation zur Sprache zu bringen - in der Hoffnung, dass es das rechte Wort ist - und es auf fruchtbare Erde fällt. „Gerne gepredigt“ habe ich eigtl. nie - denn dies meint meist: sich gerne predigen hören. - Denn das biblische Wort in seiner Tiefe zu hören und für unsere recht oberflächliche Zeit zur Sprache zu bringen - ist ein sehr mühsames Unterfangen. Verständlich, dass wir Themen bzw. Themengottesdienste bevorzugen, die vordergründig aktuell erscheinen - aber doch ebenso höchst flüchtig sind. Noch bedenklicher erscheint mir die Tendenz, biblische Inhalte als  niederschwelliges „lebens-beratendes“ Angebot zu predigen - mit einem scheinbar seelsorgerlichen Anstrich. Dabei tritt die Möglichkeit an die Stelle von Notwendigkeit. Dementsprechend beliebig geht es dann auch in Kirche und Gemeinde zu. Und wo Verbindlichkeit fehlt, da fehlt auch die Verbundenheit - und man triftet auseinander. - Auch darauf weisen Kirchenaustritte hin!

Dies ist auch der letzte „Brief an die Gemeinden“, den ich schreibe. Wegweisend waren für mich die „Gemeindebriefe“ des Paulus. Deshalb lag der Akzent auf dem geistlichen Inhalt - und nicht auf Terminen und Informationen und netten Geschichten und klugen Sprüchen. Hingegen sollte auch manches kritisch zur Sprache kommen und nachdenklich machen, was nicht schon ständig breitgetreten und wiedergekäut wird. -
Obwohl der Inhalt entscheidend war, so sollte schließlich doch auch die Form ansehnlich sein, weshalb wir seit ca. zwei Jahren den „Brief an die Gemeinden“ nicht mehr selber mühsam aber günstig gedruckt und gefaltet haben, sondern von einer
Gemeindebriefdruckerei farbig drucken und fertig falten ließen - wenn auch mit erheblichen Mehrkosten.

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Pfarrbüro in Bischoffingen, Fr. Baumer:
Talstr. 4, 79235 Vogtsburg-Bischoffingen;
Tel. 07662/6779; FAX 07662/226488
Bürozeiten: Di. 15.00 - 17.00 Uhr; Mi. 9.00 - 12.00 Uhr
E-Mail: bischoffingen@kbz.ekiba.de
Internet: www.ev-kirche-bischoffingen.de

Pfarrbüro in Bickensohl, Fr. Baumer:
Achkarrer Straße 1, 79235 Vogtsburg-Bickensohl
Tel. 07662/1414; FAX 07662/949632;
Bürozeiten: Di. und Do. 8.00 - 12.00 Uhr
E-Mail: ev_kirchengemeinde@t-online.de
Internet: www.kirche-bickensohl.de