aus dem

Brief an die Gemeinden

Bickensohl und Bischoffingen

zu Himmelfahrt Pfingsten Trinitatis

2017

 


Ich will den Vater bitten,

und er wird euch einen andern Tröster geben,

dass er bei euch sei in Ewigkeit:

den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie

sieht ihn nicht und kennt ihn nicht.

Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.”

(Joh 14,16-18)

 

Hin und wieder schreibt jemand einen Abschiedsbrief—bevor er „geht“. Jesus hält eine Abschiedsrede—an seine Jünger. Damit bereitet er sie auf jene Zeit vor, wenn er nicht mehr unter ihnen sein wird. Ganz klar, dass eine solche Rede verlegen macht und irritiert—und fragen lässt: Und was wird dann aus uns? was dann? Ist dann alles für die Katz gewesen, was so hoffnungsvoll angefangen hat? Und wie müssen wir uns dann vorkommen? Im Stich gelassen? Verwaist? - Ratlosigkeit und Trauer bemächtigt sich der Jünger. Jesus weiß das—und spricht sie verständnisvoll darauf an.

Solch ein Verständnis ist wichtig—ein Trost ist es letztlich nicht. Trösten kann nur, was diese Trauer überwindet, weil sich eine neue Perspektive eröffnet. Und das tut Jesus, indem er
seinen Jüngern einen „anderen Tröster“/“Beistand“ verheißt: Den „Geist der Wahrheit“.

Dabei muss man beachten, dass „Wahrheit“ in der Bibel nicht zuerst und nicht allein die Übereinstimmung von Wort und Sache ist—und „Lüge“ umgekehrt eine Sache wortreich
verdreht. „Wahrheit“ ist in der Bibel das, was sich „bewährt“ und also „bewahrheitet“. Biblische „Wahrheit“ ist darum immer auf Zukunft angelegt und kommt zukünftig zum Vorschein. Sie ist verborgen—und offenbart sich. So offenbart sich die
Wahrheit Gottes in seiner Treue zu den Seinen.

           Dementsprechend ist die Lüge in der Bibel vor allem ein „leeres Versprechen“, der „schöne Schein“. Eine Seifenblase die umso eher platzt je größer und schöner sie wird. Ein „Hype“. Eine grandiose Illusion, welche der Realität und also der Zukunft nicht standhält. Hierzu kann auch Spiritualität gehören, wenn sie im religiösen Vermögen eines Menschen gründet. Gerade der Trost, den sie gewährt, kann darum biblisch eine Lüge sein.

Aber noch mehr gehört hierzu in einer Zeit nahezu
grenzenloser Machbarkeit und Manipulierbarkeit so manch „säkulares“, „weltliches“ Versprechen, das wir gerne hören und haben möchten—und zugleich wissen, dass es „kurze Beine“ hat. Da jedoch „die Welt“ sich am schönen Schein orientiert, lässt sie sich auch gerne belügen mit schönen Worten und
leeren Versprechungen. Das gibt ihr Trost und Hoffnung. Die „Wahrheit“ hingegen ist oftmals höchst „ernüchternd“,
unbequem - und kaum auszuhalten; und deshalb auch selten willkommen.

Der „Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann“ kann seinen Ursprung nicht bei uns Menschen haben. Und der „Trost“, den er verleiht, hat weniger mit meinem
Gefühl und erst recht nichts mit Psychologie zu tun, sondern ausschließlich mit der Treue Gottes, die sich in dem, was auf mich zukommt — an mir bewährt: ein „Beistand“, der
besonders in Zeiten der Anfechtung oder Anfeindung, in Zeiten des Zweifels oder gar der Verzweiflung erfahren wird. Und da geht es kaum aufgeblasen, sondern recht nüchtern zu—wenn vielleicht auch etwas ungewöhnlich.

So waren auch am Pfingsttag die Jünger nicht betrunken—wie manche meinten. Sie waren klar bei Verstand und wurden in der Kraft des Hlg Geistes zu verständlichen Zeugen ihres Herrn. Auch wenn manche von ihrer Botschaft nichts verstehen wollten.

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Der Evangelische Kirchentag 2017 steht auchim Zeichen des 500jährigen Reformationsjubiläums. Deshalb findet er nicht nur in Berlin, sondern auch in Wittenberg statt. Und deshalb lautet auch das Kirchentagsmotto in Wittenberg „gut reformatorisch“: „… da ist Freiheit“. In der Tat ist die Reformationsbewegung eine Befreiungsbewegung. Aber leider ist das Kirchentagsmotto mal wieder mal ein Halbsatz, der zumindest fragen lässt: „Wo ist Freiheit?“ Die ergänzende Antwort darauf kann und soll dann jeder für sich ganz individuell und echt authentisch geben? - Der biblische Zusammenhang lautet jedenfalls: „Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.” (2 Kor 3,17) Und wie öfters bei Paulus kommt damit man nicht ins beliebige Ergänzen, sondern mehr ins nachdenkliche Stolpern.—

Ganz gewiss soll das Motto des Kirchentags ein attraktiver „Lockvogel“ sein—und dann in seiner Entfaltung Orientierung geben — in einer Zeit, wo Freiheit oftmals als persönliche Unverbindlichkeit gelebt und zugleich immer mehr einer beängstigenden (digitalen) Kontrolle aus „Sicherheitsgründen“ geopfert wird.

Erst recht dann darf ein Halbsatz nicht zur Halbwahrheit verkommen—nur weil er schön klingt. Das hieße nicht nur die andere—vielleicht unbequeme—biblische Hälfte zu unterschlagen, sondern sich auch seiner Herausforderung zu entziehen. Denn als ganzer Satz ist er eine Provokation—für unsere Zeit nicht
weniger wie vor 500 Jahren eine der ersten reformatorischen Hauptschriften von
Martin Luther: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ Damit wir es jedoch nicht nur mit biblischen Halbsätzen und reformatorischen Schlagworten zu tun haben, ist die ganze reformatorische Hauptschrift zu hören :

Teil 1 am Reformationstag, Dienstag, 31. Oktober

Teil 2 an Allerheiligen, Mittwoch, 01. November

jeweils um 19.30 Uhr in der Bischoffinger Kirche St. Laurentius

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Kirche—ein Auslaufmodell?

Diese Frage stellt sich manchen aufgrund von Beobachtungen auf dem kirchlichen Feld und Umfeld, der Gesellschaft. Egal nun, was einem da im einzelnen auffällt: „Kirche“ hat keinen selbstverständlichen Stand mehr. Sie muss ihr Existenzrecht legitimieren. Und das tut sie, indem sie sich gesellschaftlich bzw. diakonisch engagiert. Denn dadurch erntet sie am ehesten Verständnis und Anerkennung. War sie früher einmal „Volkskirche“, und am „Volk“ orientiert, so ist sie heute „Gesellschaftskirche“: Was die Menschen in „der Gesellschaft“, in der „Öffentlichkeit“ bewegt, das „bewegt“ auch die Kirche — und verschafft ihr „Aktualität“ und „Wertschätzung“; auch bei denen, die sich nicht (mehr) zu ihr zählen. Die „Öffentlichkeit“, ihre „Themen“ und „Werte“
beherrschen weitgehend das Feld der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit—bis hinein in „Themen-Gottesdienste“.

Denn „Kirche“ steht und lebt nun mal nicht nur mitten in der Welt — der Kultur, der Religionen, der Arbeit. Sie hat hier
tatsächlich ihre Aufgabe, hat eine „Sendung“, eine „Mission“.

Doch wenn sie nur sagt und tut, was sonst auch gesagt und getan wird und die Moden des „Mainstreams“ nicht mehr kritisch, d.h. biblisch hinterfragt, sondern um der eigenen Anerkennung willen diese selbst übernimmt, dann muss es „Kirche“ nicht unbedingt geben. Denn worin besteht ihre Notwendigkeit, wenn nicht darin, etwas zu sagen, was sich „die Gesellschaft“ nicht selber sagen kann: Ein „geistgewirktes“, vielleicht als „fremd“ empfundenes „Wort“, das zum Nachdenken und möglicherweise zum Umdenken und also zur Umkehr ruft—worauf sogar manche außerhalb der Kirche die Kirche hinweisen!

Denn wie soll diese „prophetische Mission“ gelingen, wenn sie nicht mal in den eigenen kirchlichen Reihen ankommt?!

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Spiritualität— ein Zukunftsmodell?

Dass das Glück des Menschen vielleicht doch nicht nur aus Schnitzel und Pommes, Döner und Pizza, Bier und Wein, Auto und Urlaub, Party und Spaß besteht, das zeigt sich in unserer wohlgenährten Konsum– und Überflussgesellschaft am überfüllten Terminkalender der Psychotherapeuten. Irgendwo muss da anscheinend eine unterernährte Seele sein, die sich bemerkbar macht. Neben der Gier nach dem „Materiellen“ ist deshalb  auch ein „Hunger“ nach dem „Spirituellem“.

„Rituale“ sind wieder gefragt, „Mystik“ und „Meditation“, man „pilgert“ - nicht nur nach Santiago; glaubt an irgendwelche höheren Wesen, Energien, Engel, gute oder böse Geister und „kommuniziert“ mit ihnen. Man lässt sich auf kostspieligen und zeitintensiven Fortbildungen zum zertifizierten Schamanen oder Geistheiler „ausbilden“ —und das alles natürlich ganz individuell und absolut originell; scheinbar ohne irgendwelche institutionellen Vermittlungen, Bindungen und erst recht ohne dogmatische Vorgaben... Alles ganz „frei“, fast „gut reformatorisch“. Ein echtes „Floating“/Fließen. Man surft auf Wellen wie im
weiten Meer oder schwingt mit im endlosen Universum mit einem wahrhaft „ozeanischen Gefühl“. Deshalb
ja nichts Festes, Verbindliches. Ja nichts von außen — alles „von innen“; „esoterisch“ eben und natürlich alles „ganz authentisch“.

Gewiss: Ziemlich zugespitzt dargestellt — um deutlich zu machen: Diese Art von Spiritualismus kann sich nur leisten, wer im Materialismus zuhause ist — als Kind einer übersatten Wohlstandsgesellschaft, die alles hat —und noch „mehr“ und mal „etwas ganz anderes“ haben will. etwas der ganz besonderen Art— mit „Kultcharakter“.—

Doch eine Konsumgesellschaft ist auch eine Wegwerfgesellschaft. Sie produziert eine Menge Müll.—Nicht nur materiell!

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Kindergottesdienst in den Evang. Kirchengemeinden Bickensohl und Bischoffingen

Liebe Kinder,
der Kindergottesdienst und die Familiengottesdienste 2017
finden in den beiden Kirchengemeinden wie folgt statt:

05. März10:15 UhrBischoffingen

19. März11:00 UhrBickensohl / Familiengottesdienst

02. April10:00 UhrBischoffingen / Konfirmation

16. April10:00 UhrBickensohl / Ostersonntag

07. Mai11:00 UhrBischoffingen / Familiengottesdienst

21. Mai10:15 UhrBickensohl

04. Juni10:00 Uhr Bischoffingen

18. Juni10.15 Uhr Bickensohl

02. Juli11:00 UhrBickensohl / Familiengottesdienst

16. Juli10.15 UhrBischoffingen

27.—29. Juli   Bickensohler Kindertage (von 6 - 13 Jahren)

24. Sept.11:00 UhrBischoffingen / Familiengottesdienst

08. Okt.10:00 UhrBickensohl / Erntedank

15. Okt.10:00 UhrBischoffingen / Erntedank

05. Nov.10.15 UhrBischoffingen

12. Nov.11.00 UhrBickensohl / Familiengottesdienst

19. Nov.10:15 UhrBickensohl / Vorstellung Krippenspiel

...weitere Termine folgen.